Neue Norm für Schutzhandschuhe EN ISO 21420:2020

Die Schutzprofis berichten auch immer über aktuelle Themen und dazu gehören auch Änderungen in der Norm. In diesem Beitrag berichten wir über die neue Norm für Schutzhandschuhe EN ISO 21420:2020. Die bisherige Norm EN 420 (zuletzt gültige Fassung von 2009) umschreibt die allgemeinen Anforderungen für alle Schutzhandschuhe. Diese rein europäische Norm wurde nun in einen internationalen Standard mit der Bezeichnung EN ISO 21420:2020 umgewandelt. Die neue überarbeitete und ergänzte Norm für Schutzhandschuhe umfasst ebenso wie die EN 420 die wichtigen Anforderungen wie Konfektionierung, Unschädlichkeit, Komfort, Leistungsvermögen, Kennzeichnung und andere wichtige Herstellerinformationen.

Was bedeutet das für die Schutzhandschuhe, die ich jetzt einsetze?

Anwender werden sich fragen, ob ihre Schutzhandschuhe mit den bisher ausgestellten EU-Baumusterprüfungen verwendbar bleiben. Ja, die EU-Baumusterprüfungen gelten weiterhin, auch für Chemikalienschutzhandschuhe der Kategorie 3. Alle bereits in Verkehr gebrachten Produkte mit einem bisher gültigen Zertifikat dürfen weiterhin vertrieben und verwendet werden. Alle bisherigen Zertifikate behalten ihre Gültigkeit.

Ab wann gilt die neue Norm für Schutzhandschuhe?

Die neue Norm EN ISO 21420:2020 wurde im Frühjahr 2020 durch die europäischen Normungsgremien CEN und die internationale Normungsorganisation ISO genehmigt, am 30. September 2020 veröffentlicht. Sie ist somit für die EU und den EWR (europäischer Wirtschaftsraum) ohne Übergangsfrist sofort gültig und anwendbar.

Was hat sich mit der Einführung der neuen Norm EN ISO 21420 geändert?

    1. Unschädlichkeit der Schutzhandschuhe
      Schutzhandschuhe dürfen sich nicht (wie bereits bisher) nachteilig auf die Gesundheit oder Hygiene des Trägers auswirken. Das betrifft Stoffe, die als toxisch, mutagen, karzinogen, korrosiv, allergen reproduktionstoxisch, sensibilisierend oder reizend eingestuft werden. So muss der Chrom (VI)- Wert bei Lederhandschuhen unter 3 mm/kg liegen. Der pH-Wert muss zwischen 3,5 und 9,5 liegen.
    2. Unschädlichkeit der Schutzhandschuhe: was sich ändert
      Nach der neuen Norm zertifizierte Handschuhe haben DMF-Werte unter 1000 mg/kg oder 1000 ppm ein (neuer Grenzwert). Dimethylformamid (DMF) spielt bei Polyurethan (PU)-beschichteten Handschuhen eine Rolle.
      Bei Schutz-Handschuhen aus Kunststoffmaterialien, die direkte Berührung mit der Haut haben, darf der Gehalt an polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (sog. PAKs) höchstens 1 mg/kg betragen.
    3. Elektrostatische Eigenschaften von Schutzhandschuhen
      In der nunmehr gültigen EN 16350:2014 sind Prüfbedingungen und Mindestanforderungen für die elektrostatischen Eigenschaften von Schutz-handschuhen festgelegt. Der Durchgangswiderstand muss kleiner als 100 Megaohm sein (< 1,0 x 108 Ω). Das spielt z. B. in explosionsgefährdeten Bereichen eine Rolle. Für Handschuhe greift allerdings nicht die für Sicherheitsschuhe anwendbare Norm. So dürfen Sicherheitshandschuhe auch nicht mit dem von Schuhen bekannten gelben ESD-Logo gekennzeichnet werden, obwohl sie ohne Bedenken in Bereichen eingesetzt werden können, die ESD-Produktschutz erfordern. Wohl darf zur Kennzeichnung das Piktogramm nach EN 16350 verwendet werden.
    4. Handschuhgrößen
      Hersteller müssen nun ihre eigenen Größensysteme festlegen. Das betrifft Handlänge und Handumfang. Der Standard gestattet nunmehr auch Handschuhgrößen von 4 bis 13, sogar Halbgrößen sind erlaubt.
    5. Kennzeichnung
      Die neue EN ISO 21420:2020 erfordert es auch Daten des Herstellers zur Rückverfolgung des Handschuhs zu liefern. Dabei geht es um Daten wie Chargennummer, Herstellungsdatum und ggf. Verbrauchsdatum. Daneben gibt es noch Anforderungen wie ggf. erforderliche Waschhinweise in der Gebrauchsanleitung oder Hinweise auf die Konformitätserklärung auf der Webseite des Herstellers.
    6. Informationen auf Nachfrage des Endverbrauchers
      Auf Nachfrage des Endverbrauchers liefert der Hersteller eine Liste der im Handschuh enthaltenen allergenen Stoffe. Im Anhang G der Norm ist eine Liste der möglicherweise in Schutzhandschuhen allergen wirkenden Stoffen enthalten. Die wichtigsten Hersteller haben allerdings bereits bisher entsprechende Informationen bereitgestellt.

Was bedeutet das in der Praxis?

Die Schutzprofis fassen also kurz zusammen; die neue Norm EN ISO 21420:2020 gilt ab sofort für alle neuen Schutzhandschuhe. Gültige Zertifikate nach der alten Norm EN 420 behalten ihre Gültigkeit.

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