Die Raupe „Nimmersatt“ ist in Deutschland auf dem Vormarsch

Der Eichenprozessionsspinner und worauf Sie achten sollten

Es ist wieder so weit, die Sonne wird stärker und die Bäume schlagen aus. Nun ist auch die Zeit der Insekten und unter ihnen fällt eine besonders in Deutschland auf: der Eichenprozessionsspinner. Die Schutzprofis erklären in diesem Beitrag was es mit dieser toxischen Raupe auf sich hat und wie man sich am besten schützen kann.

Mehr zur Raupe „Nimmersatt“

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) abgekürzt EPS wurde nach seiner bevorzugten Futterpflanze benannt und der Eigenart, dass die Raupen in großer Anzahl vom Futterplatz zum Ruheplatz und zurück, wie in einer Prozession, wandern. Im Frühsommer beginnen die Prozessionen und damit die Gefahr für die Menschen.

Ein Kind des Klimawandels1

Seit Jahren steigt die Population des Eichenprozessionsspinners in Europa an. Dieser Nachtfalter liebt die Wärme. Die Wissenschaft sieht die rasante Ausbreitung daher im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Die hohen Temperaturen und milden Winter in Europa und Deutschland sorgen für eine rasante Vermehrung des Falters und der damit verbundenen Probleme. Für uns Menschen ist das Brennhaar der Raupen, durch das Eiweißgift (Thaumetopoein) toxisch. Mit der geeigneten Schutzkleidung kann man sich aber gut schützen.

Was macht das Toxin im Körper?

Das Toxin des Eichenprozessionsspinners wirkt über die menschliche Haut, jede Schleimhaut und entzündet die Atemwege. Ohne eine Persönliche Schutzausrüstung (PSA) sind Raupen, Kokons und Gespinste gefährlich für die Augen, Haut und Atemwege! Die Brennhaare gelten als Biostoffe2 und fallen somit unter die Biostoffverordnung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Nachzulesen unter der Betriebsanweisung biologisch /chemische Gefährdung durch Haare des Eichenprozessionsspinners Gem. § 14 BioStoffV.

„Wer sich richtig schützen möchte, braucht eine gute persönliche Schutzkleidung. Bitte fassen Sie diese Tiere nie mit bloßen Händen an,“ so Sonia Niedhart (Geschäftsführung)

PSA nach Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG3)

Forst- und Straßenbauarbeiter sowie Garten- und Landschaftspfleger, die unter und auf Bäumen arbeiten, gelten als besonders gefährdet. Daher wird empfohlen, folgende Schutzkleidung zu tragen:

  • Geschlossene Vollschutzbrille (Korbbrille)
  • Geschlossene, leicht zu reinigende Stiefel (Gummistiefel)
  • Geschlossene, dichte reißfeste Schutzhandschuhe (z.B. Latex, bei Allergie Nitril)
  • Einwegschutzanzug ab Typ 4B
  • Partikelfiltrierender Atemschutz FFP2/FFP3 Maske mit Ausatemventil

Wichtig! Das Gesichtsfeld muss vollständig abgedeckt sein, notfalls durch eine zusätzliche lange Haube

Tipp! Bei einem Bart bietet nur ein gebläseunterstützter Atemschutz mit Partikelfilter Sicherheit. Eine FFP Maske liegt durch Barthaare nicht an und ist daher ungeeignet.

Was macht das Risiko der Brennhaare aus?

Die Raupe macht 6 Larvenstadien durch. Ab dem 2, also dem 3 Larvenstadium, entwickeln die Raupen auf dem Rücken zunehmend feine, mit Widerhaken versehene Härchen („Brennhaare“, Setae, 0,2mm). Diese hohlen Brennhaare sind giftig. Auf einer ausgewachsenen Raupe des Eichenprozessionsspinners gibt es bis zu einer halben Million dieser Brennhaare. Die Härchen lösen sich durch Wind und Berührung und da die Härchen sehr leicht sind, trägt der Wind sie weit fort.
Wie lange das Gift im Brennhaar wirkt, ist unklar. Die Quellen widersprechen sich.
Von 1 bis 10 Jahren der Kontamination wird alles geboten. Also ist Vorsicht angebracht. Zur Wiederholung, auch die Kokons und die Gespinste sind gefährlich. Wegen der toxischen Gefahr sollten diese nie mit bloßen Händen angefasst werden, sondern immer nur mit geeigneten Schutzhandschuhen. Die Haut muss immer geschützt werden mit geeigneter persönlicher Schutzausrüstung.

Folgen nach Kontakt mit Brennhaar

  • Haut: Hautirritationen wie Quaddeln, Ausschläge, Juckreiz.
  • Augen: Reizungen, Rötungen und schmerzende Binde- oder Hornhaut.
  • Atemwege: Reizungen der Mundhöhle, Husten, Atemnot, Fieber, Schwindel und schwere allergische Schocks, anaphylaktischer Schock

Wenn ein Risiko besteht, dass man mit dem Brennhaar des Eichenprozessionsspinner in Berührung kommen könnte, muss immer die passende Schutzkleidung getragen werden. Die Beratung sollte durch einen qualifizierten Berater aus dem Bereich Arbeitsschutz erfolgen. So können Sie sich vor dieser toxischen Gefahr schützen.