SRA, SRB und SRC: was bedeutet das?

Jeder hat es schon mal in einer Bedienungsanleitung von Sicherheitsschuhen gelesen, jedoch wissen viele nicht, was hinter diesen Normen steckt. Anwender (Träger von Sicherheitsschuhen) sollten jedoch etwas darüber Bescheid wissen. Da die Schutzprofis oft Anfragen zu den Normen SRA, SRB und SRC erhalten, berichten wir hier ausführlich zu diesem Thema.

Arbeitsunfälle vermeiden

Den Grund findet man in Publikationen von Berufsgenossenschaften. Die sogenannten SRS-Unfälle (Unfälle durch Stolpern, Rutschen und Stürzen) machen 35% aller Arbeitsunfälle aus! Pro Tag erleiden im Durchschnitt ca. 1000 Menschen einen Sturz bei ihrer Arbeit, viele Betroffene sind dabei so stark verletzt, dass sie mehr als 3 Tage arbeitsunfähig sind. Circa 5000 Betroffene jährlich verletzen sich sogar so schwer, dass sie wegen dauerhafter Beeinträchtigung eine Unfallrente erhalten.

Unfallursachen verringern

Obwohl die offensichtlichen Unfallursachen vielfältig („stochastisch“) sein können, wie Unordnung, schlechte Beleuchtung, Unaufmerksamkeit etc., steht der direkte Unfallanlass doch häufig in einem engen Zusammenhang mit dem Rutschen selbst. Darum lohnt es sich, die Ursachen für das Rutschen zu kennen und bei Rutschgefahr gegenzusteuern. Das heißt so viel, wie Sicherheitsschuhwerk zu tragen, welches in der jeweiligen Arbeitssituation die Rutschhemmung vergrößert. Es gibt zwar Schuhhersteller, welche über „Rutschfestigkeit“ sprechen. Jedoch suggeriert der Begriff Rutschfestigkeit, dass das Rutschen völlig verhindert wird. Da dies jedoch nicht der Fall ist, ist der Begriff „Rutschhemmung“ angebracht.

Unfallvermeidung durch Rutschhemmung

Mit dem Ziel, die Rutschgefahr zu verringern und deren enormer Bedeutung, hat der Gesetzgeber die Anforderungen in der Norm EN 13287 festgelegt. Aktualisiert wurde die Norm aus dem Jahre 2013 (erstellt auf Basis der Vorgängernorm) im Jahre 2020. Sie wurde mit kleineren Änderungen und Ergänzungen als EN 13287:2020-2 veröffentlicht und ist nunmehr gültig. Die Norm muss sich auf zwei Aspekte beziehen, den Untergrund und den Schuh selbst. Die Variationsmöglichkeiten hierbei sind schier unbegrenzt, wobei das Ziel immer die Unfallvermeidung bleibt.

Dass bei dieser stochastischen Vielfalt der Möglichkeiten von Untergründen eine praxisgerechte Methode für die Ausführung des Gleittests der Norm erarbeitet werden musste, ist offensichtlich. Die beiden Elemente, welche zur Sturzgefahr beitragen können, der Untergrund (der wie gesagt unglaublich variabel sein kann) und das Schuhwerk (welches bewusst ausgewählt werden kann) haben dazu geführt, mit standardisierten, möglichst praxisgerechten Vorgaben zu arbeiten.

Rutschhemmung nach EN 13287

Es handelt sich hierbei um einen Gleittest, welcher durch einen Messwert auf eine Gefahr des Ausgleitens nur hinweisen kann. Dabei ist das Gleiten auf einem Untergrund noch keine Gefahr an sich, sondern erst der Sturz, der auf ein nicht kontrollierbares Gleiten folgt.
Das Prüfverfahren der Rutschhemmung ist ein Laborverfahren mit einem Boden-Schuh-Testgerät. Die beiden genormten Prüfverfahren lassen sich in Bezug auf die drei Grundanforderungen so beschreiben:
Prüfung der Rutschhemmung auf Keramikfliesen (Eurotile 2) mit einer Natriumlaurylsulfat-Lösung. Der Gleitkoeffizient des Tests wird mit dem Symbol SRA gekennzeichnet.
Prüfung der Rutschhemmung auf einem Stahlboden-Untergrund mit Glycerin. Kennzeichnungssymbol ist SRB
Prüfung sowohl auf Keramikfliese mit Natriumlaurylsulfat als auch auf Stahlboden mit Glycerin.

Kennzeichnungssymbol SRC

Bei der Vielzahl der Kombinationsmöglichkeiten zwischen dem Design der Sohle des Sicherheitsschuhs und dem Untergrund kann kein einzelner Test allen vorkommenden Anforderungen genügen, bzw. zu 100% identisch sein mit den Umständen der jeweils realen Situation. Der Anwender kann jedoch aus der Herstellerinformation entnehmen, welche Mindestanforderungen der Norm erreicht oder übertroffen werden. Entsprechend der Norm wird das Vorwärtsgleiten der Ferse (minimal 0,28 auf Keramik und 0,13 auf Stahl) und das ebene Vorwärtsgleiten (minimal 0,32 auf Keramik und 0,18 auf Stahl) gemessen, ausgedrückt durch den Messwert des Reibungskoeffizienten.

Zertifizierung nach SRA, SRB oder SRC

Werden bei einem Sicherheitsschuh die einzelnen Mindest-Messwerte der Reibungskoeffizienten erreicht, so wird der Schuh SRA-zertifiziert (Keramikfliese) oder SRB zertifiziert (Stahlboden). Wenn ein Schuh in beiden Testverfahren die Mindestanforderungen erreicht oder übertrifft, so wird er SRC-zertifiziert. Eine SRB-Zertifizierung allein kommt auch vor, ist jedoch eher selten.

Je umfassender ein Arbeitsschuh zertifiziert wurde, umso umfassender kann er auch eingesetzt werden. Darum streben die Schuhhersteller eine SRC-Zertifizierung an. Eine SRA-Zertifizierung hat in der Praxis ihre Bedeutung vor allem im Bereich von Küchen, Lebensmittelbetrieben und in Reinigungsbereichen. Die Domäne von SRB-zertifizierten Schuhen liegt eher im industriellen oder handwerklichen Bereich. Durch den Einsatz von SRC-zertifizierten Sicherheitsschuhen ist der Anwender auf der sicheren Seite. Schuhhersteller (z. B. Shoes for crews) verwenden viel Entwicklungsarbeit für die Entwicklung neuer rutschhemmender Sohlen, sowohl für das Design der Sohle als auch für die Materialzusammensetzung des Sohlenmaterials.