Wie lange darf ich meinen Schutzhelm benutzen?

Die Frage nach der Gebrauchsdauer taucht seitens der Anwender immer mal wieder auf. Die Schutzprofis erfahren immer wieder eine relativ große Unsicherheit bei den Anwendern, vor allem aus Unkenntnis. In diesem Blogbeitrag soll in Kurzform auf die wichtigsten Punkte eingegangen werden und wichtige Fragen zur Gebrauchsdauer von Schutzhelmen beantworten.

Gebrauchsdauer Industrieschutzhelm und Anstoßkappe

In diesem Beitrag werden nur Industrieschutzhelme (und Anstoßkappen) betrachtet, welche die festgelegten Normen und Regeln des Arbeitsschutzes vollständig erfüllen. Dieses sind maßgeblich die EN 397 für Industrieschutzhelme und die EN 14052 für Hochleistungs-Industrieschutzhelme (englisch: High performance industrial helmets), sowie die EN 812 für Industrie-Anstoßkappen und die DGUV Regel 112-193 (ehm. BGR 193) in den jeweils aktuellen Fassungen. Andere Helme wie z. B. Helme für die Feuerwehr, Militär oder Motorradhelme unterliegen komplett anderen Anforderungen und bleiben hier außen vor.

Gebrauchsdauer Helmschale und Innenausstattung

Grundsätzlich kann man bei Industrieschutzhelmen und Anstoßkappen die Helmschale und die Innenausstattung unterscheiden. Die Innenausstattung unterliegt keinem direktem Verschleiß bei normalem Gebrauch. Hier spielen Hygiene und Sauberkeit die größere Rolle. Aus diesem Grunde ist ein gelegentlicher Austausch zu empfehlen.

Anders dagegen unterliegt die Helmschale komplett anderen und härteren Beanspruchungen und zwingt daher zur Auswechselung des Helms, bevor die Schutzwirkung nicht mehr gewährleistet ist.

Was beeinflusst die Gebrauchsdauer von Helmen?

Der Helm (die Helmschale) werden durch folgende Belastungen beansprucht:

  • mechanische Belastungen, Stöße
  • UV-Licht
  • Temperatur (Hitze, Kälte)
  • Kunststoffalterung, abhängig vom verwendeten Material und dessen Qualität
  • eine Kombination vorstehender Belastungen. Eine Übersicht über ausgewählte Helmmaterialien gibt nachstehende Tabelle.
Material Kurzzeichen n.ISO Eigenschaft Formbeständigkeit Bruchfestigkeit bei tiefer Temperatur Chemische Beständigkeit Alterungsbeständigkeit
Polyamid/Nylon PA thermoplastisch bis ca. 150°C gut gut
Polyethylen PE thermoplastisch bis ca. 125 °C gut gut gut
Polycarbonat  PC thermoplastisch bis ca. 230°C gut
Acrylonitril/Butadien/Styrol ABS thermoplastisch bis ca. 90°C gut gut gut
Polycarbonat, glasfaserverstärkt PC-GF thermoplastisch bis ca. 230°C gut
Polypropylen, glasfaserverstärkt PP-GF thermoplastisch bis ca. 140 °C gut gut
Phenolharz, faserverstärkt PF-SF duroplastisch bis zu 200 °C sehr gut  sehr gut sehr gut
Polyesterharz, ungesättigt, glasfaserverstärkt UP-GF duroplastisch bis zu 200 °C sehr gut  sehr gut sehr gut

Industrieschutzhelme: welches Material hält länger?

Die Tabelle beinhaltet thermoplastische und duroplastische Materialien. Aus Kostengründen werden überwiegend thermoplastische Industrieschutzhelme als persönliche Schutzausrüstung verkauft und eingesetzt.
Duroplastische Helme sind teurer, schon wegen der teureren Materialien und der aufwändigeren Herstellung, haben aber auch erweiterte Anwendungsmöglichkeiten.

Vor allem bei einer Kombination von Belastungen des Helms ist eine exakte Vorhersage der sicheren Gebrauchsdauer schwierig. Hersteller empfehlen daher meist eine Gebrauchsdauer, welche zusätzlich eine gewisse Sicherheitsmarge beinhaltet.

Nachstehend einige Beispiele von Herstellerangaben zur Gebrauchsdauer ab Herstellungsdatum:
Schuberth-Helme: 4 Jahre
Voss-Helme: 5 Jahre
Centurion: 5 Jahre
Portwest: 7 Jahre
Petzl und einige andere Hersteller: 10 Jahre
Anstoßkappen: meist 1 Jahr (aus hygienischen Gründen)

„Das Herstellungsdatum ist fest mit dem Helm oder der Anstoßkappe verbunden, meist eingeprägt, zum Beispiel im Schirm.“ Erklärt Dr. Hans-Jürgen Beyer von AAV GmbH.

In speziellen Fällen kann die Gebrauchsdauer länger sein. So gibt der Hersteller VOSS-HELME GmbH & Co. KG für glasfaserverstärkte Polycarbothelme bis 10 Jahre an und für Phenolharz/Textilhelme bis 8 Jahre.

Informationen zur maximalen Gebrauchsdauer von Helmen

Die maximale Gebrauchsdauer ist im Datenblatt aufgeführt, welches den Helm begleitet und der Anwender muss sich an diese Angabe halten. Als Beispiel für eine Angabe des Herstellungsdatums soll hier die Kennzeichnung im Innern des Helms der Firma Schuberth angeführt werden:

Ein Helm mag optisch noch gut aussehen, ist jedoch bereits nicht mehr gebrauchsfähig. Das gilt insbesondere nach mechanischer Beaufschlagung. Hierbei kann die Helmschale für das Auge unsichtbar in ihrem molekularen Gefüge beschädigt sein und dadurch ihre Festigkeit bzw. Steifheit verlieren, was sich ggf. manuell feststellen lässt. In diesem Falle muss der Helm ausgewechselt werden und kann nicht weiterverwendet werden, da seine Schutzwirkung unsicher bzw. nicht mehr gegeben ist.

Sonderfälle sind Helme, welche beispielsweise laut Herstellerangabe kurzfristig einer Temperatur bis zu 1000 °C standhalten (z. B. duroplastische Helme der Firma Voss). Hier sind die Herstellerangaben ebenfalls genauestens zu beachten.

Industrieschutzhelme und Anstoßkappen sicher verwenden

Die Schutzprofis fassen zusammen, dass die sichere Gebrauchsdauer von Industrieschutzhelmen und Hochleistungs-Industrieschutzhelmen von der Angabe des Herstellers abhängt. Beschädigungen verschiedenster Art (z. B. mechanische, durch UV-Strahlung, Hitze, Kälte usw.) können die Gebrauchsdauer (erheblich) verkürzen. Für Anstoßkappen wird aus hygienischen Gründen eine Gebrauchsdauer ab Herstellungsdatum von 1 Jahr empfohlen. Bei Fragen zur sicheren Verwendung von Helmen sollten Sie sich immer an den Hersteller oder den Fachhandel für Arbeitsschutz wenden.