Polyethylen, Latex, Nitril und Vinyl – Kleine Materialkunde von Einmalhandschuhen

Viele Produkt- und Prozess-Eigenschaften im wissenschaftlichen und technischen Bereich sind abhängig von  den eingesetzten Materialien. Das gilt auch für Handschuhmaterialien und somit auch für Einmalhandschuhe. Bei Einmalhandschuhen ist auf Grund der Anforderungen (z.B. geringe Dicke) und den speziellen Herstellungsverfahren die Materialauswahl begrenzt. Neben eher exotischen Materialien für Einmalhandschuhe (z.B. Neoprene oder Mehrlagen-Laminate) werden hauptsächlich vier Materialien verwendet: Polyethylen, Latex, Nitril und Vinyl. Das Handschuhmaterial bestimmt in hohem Maße die Einsatzbereiche des Handschuhs in der Praxis. Auf die vier oben genannten Materialien für die Verwendung in Einmalhandschuhen wird im Folgenden näher eingegangen.

Polyethen (PE) – Ein vielseitiges Material im Bereich der Einmalhandschuhe

Dieses Material wird in der Regel als Billigvariante eines Einmalhandschuhs verwendet. Meist wird HDPE (High Density Polyethylen) verwendet. Es ist ein unelastisches, glasklares Material. Polyethen ist weitgehend beständig gegen Säuren, Laugen, Öle und Fette und kann daher mit der entsprechenden Zulassung auch in der Lebensmittelindustrie verwendet werden. Der Tragekomfort ist äußerst begrenzt. Solche Handschuhe werden meist als Produktschutz verwendet (Lebensmittelindustrie), um z.B. eine Übertragung von Keimen auf Lebensmittel zu verhindern.

Latex – Ein sehr elastisches Material im Bereich der Einmalhandschuhe

Latex ist das älteste und klassischste Material für Einmalhandschuhe, hergestellt aus einem Naturprodukt (Naturkautschuk). Latexhandschuhe haben sich auf Grund der Elastizität und des dadurch gewährleisteten Tragekomforts ihren Platz in der Arbeitswelt erobert. Sie finden Verwendung sowohl im medizinischen als auch im industriellen Bereich. Im industriellen Bereich ist ihre Chemikalienbeständigkeit gegen viele Säuren, Basen und Alkohole von Vorteil. Im Lebensmittelbereich ist der Einsatz mit Ölen und Fetten allerdings nicht möglich. Ein großer Nachteil von Einmalhandschuhen aus Naturlatex ist deren allergischen Potential wegen der darin enthaltenen Latexproteine als Allergieauslöser. Dieses allergene Potential wird um ein Vielfaches durch Puder verstärkt (Für gepuderte Handschuhe wird seit einiger Zeit Maisstärke verwendet). Der Anteil gepuderter Handschuhe ist im Markt stark rückläufig, mit Ausnahme einiger Länder. Hersteller versuchen den Übergang der Latexproteine auf die Haut dadurch zu unterdrücken, indem die Innenseite des Handschuhs mit einem nicht-allergenen Material beschichtet wird. Ein Beispiel für einen solchen verbesserten Handschuh ist der Handschuh Semperguard Latex IC (inner-coated).

Nitril – Ein hochwertiges Material im Bereich der Einmalhandschuhe

Nitrilkautschuk (aufgebaut aus Acrylonitril und Butadien) als Material für Einmalhandschuhe ist ein hochwertiges Material mit stark steigender Marktbedeutung. Obwohl das Material weniger elastisch ist als Latex (und dadurch weniger komfortabel), ist doch seine Chemikalienbeständigkeit höher als die bei Latex und das bei sehr guten mechanischen Eigenschaften. Latexproteine sind nicht enthalten, sodass keine Gefahr einer Latexallergie besteht. Allerdings kommt in letzter Zeit bei manchen Anwendernder Handschuhe eine andere Form der Allergie vor, nämlich eine Sensibilisierung durch Vulkanisationsbeschleuniger (z.B. durch Thiurame). Das ist kein Problem von Nitril allein, sondern gilt ebenso für Latex. Vulkanisationsbeschleuniger werden verwendet, um den technische Polymerisationsprozess auf das industriell notwendiges Maß zu erhöhen.

Vulkanisationsbeschleuniger werden zwar nur in geringen Mengen als Hilfsstoff im Polymerisationsprozess eingesetzt, jedoch genügt oftmals schon eine kleine Menge im Mikrogrammbereich, um eine Allergie auszulösen. Handschuhe werden daher nach der Herstellung gewaschen, um die Vulkanisationsbeschleuniger so weit wie möglich zu entfernen. Es gibt auch bereits Vulkanisationsbeschleuniger-freie Weiterentwicklungen. Ein prominentes Beispiel dafür (auch mit exzellenter Umweltbilanz) ist der Handschuh „Sempercare green“.

Vinyl – Das kostengünstigste Material im Bereich des Einmalhandschuhs

Vinyl sticht durch seinen Preisvorteil hervor. Die mechanischen Eigenschaften und der Komfort sind unterdurchschnittlich, ebenso wie die Chemikalienbeständigkeit. Vinyl ist PVC und wird zusammen mit geeigneten Weichmachern verarbeitet. Die Weichmacher sind in der Regel Phthalate und müssen REACH-konform sein. Obwohl die verwendeten Phthalate REACH-konform sind, gibt es doch Einschränkungen. Vinylhandschuhe können nicht mit Fett oder fetthaltigen Lebensmitteln verwendet werden. Sie haben allerdings Vorteile in der Hautfreundlichkeit für Benutzer, die an einer Latex- oder Chemikalienallergie leiden.

Polyisoprene – Ein synthetisches Material im Bereich des Einmalhandschuhs

Polyisoprene ist ein synthetischer Kautschuk. Eine Latexallergie ist bei Polyisoprene ausgeschlossen.  Handschuhe aus diesem äußerst elastischem Material werden vorwiegend im medizinischen Bereich als Operationshandschuhe verwendet. Sie haben eine besondere anschmiegsame Passform und Feinfühligkeit. Beispiele für Handschuhe aus Isoprene sind z.B. die Artikel Touch’n’ Tough von Ansell und Syntegra von Semperit.

Die Schutzprofis empfehlen die Auswahl eines Einmalhandschuhs in Abhängigkeit zum Anwendungsbereich zu treffen

Die Schutzprofis weisen gerne noch mal darauf hin, dass bei der Auswahl eines passenden Einmalhandschuhs der Anwendungsbereich ausschlaggebend ist. Bei der Entscheidung müssen Faktoren wie die Chemikalienbeständigkeit vom Material, die Reißfestigkeit des Handschuhs und potentielle Unverträglichkeiten berücksichtigt werden, ebenso wie möglicher Kontakt mit Lebensmitteln. Es gibt eine sehr große Vielfalt von Einmalhandschuhen am Markt, welche sich teilweise stark unterscheiden. Bei der Wahl des richtigen Handschuhs sollte daher nicht auf eine professionelle Beratung verzichtet werden. Für eine detaillierte und ausführliche Beratung steht der Fachhandel bereit, wo Ansprechpartner mit jahrelanger Erfahrungen gerne Auskunft geben.