Kombinierte Chemikalien- und Schnittschutz-Handschuhe đŸ§€ gibt es die?

Die Antwort wird von diversen Anbietern eindeutig mit „ja“ beantwortet. Es ist deutlich: die Nachfrage seitens der Anwender ist da. Aus diesem Grund stellt sich die Frage: wie sieht so ein Handschuh aus, wie ist dieser aufgebaut, was kann der Handschuh leisten und wer bietet solche Handschuhe an?

Schnittschutz und Chemikalienschutz đŸ§€

Die Hersteller haben unterschiedliche Konzepte fĂŒr ihr jeweiliges Produkt entwickelt und geben unterschiedliche Antworten, je nachdem, ob der Schnittschutz oder der Chemikalienschutz im Vordergrund des Interesses beziehungsweise des Arbeitsschutzes steht. Chemikalienschutz ist ein weit aufgefĂ€chertes Gebiet. Von den mehr als 100 Millionen bekannten Chemikalien haben vielleicht 100.000 eine industrielle Verwendung. Noch viel weniger haben eine Bedeutung unter dem Aspekt Arbeitsschutz. Nicht zu unterschĂ€tzen sind auch die technischen Grenzen der Herstellung von Handschuhen aus diversen Materialien.

Herausforderung: Zwei unterschiedliche Materialeigenschaften vereinen đŸ§€

Die Anforderung ist zweigeteilt. Einerseits wird ein guter, teilweise hervorragender Schnittschutz benötigt, andererseits muss der Handschuh flĂŒssigkeitsdicht sowie bestĂ€ndig gegen verschiedene Chemikalien sein. Diese zwei Materialeigenschaften in einem Produkt auf hohem Niveau zu realisieren, kommt der Quadratur eines Kreises nah. FĂŒr den Hersteller der Handschuhe besteht die Herausforderung vielmehr darin, mehrere Materialen so zu kombinieren, dass beide gewĂŒnschten Produkteigenschaften auch erreicht werden, sodass der Arbeitsschutz gewĂ€hrleistet ist. Nachstehend werden die zwei Komponenten Schnittschutz und Chemikalienschutz getrennt betrachtet, um ein GefĂŒhl fĂŒr die Herausforderungen der Hersteller zu erhalten.

Schnittschutz đŸ§€

ZunĂ€chst die Materialien fĂŒr Schnittschutzhandschuhe. Es geht hier um Klassiker wie Glasfaser, Stahl, HPPE (High Performance Polyethylene), Aramid und Ähnliches. In der Regel wird aus Schnittschutz-resistenten Fasern ein Liner hergestellt, oftmals mit einem geringen Anteil an elastischem Material, z.B. Elastan oder Spandex. In den meisten FĂ€llen (wenn das technisch möglich ist) ist der Liner rundgestrickt mit wenig NĂ€hten, um möglicherweise einen anschließenden Tauchgang zu erleichtern und dem Anwender einen guten Tragekomfort zu bieten. Der Schnittschutz wird nach EN 388 (CE Kategorie 2) zertifiziert und der Messwert kann je nach eingesetztem Material variieren. Meist wird angestrebt, minimal Klasse C oder D zu erreichen (Artikel 3416 von Showa erreicht sogar Klasse E).

Das Dilemma: Die ChemikalienbestĂ€ndigkeit der Schnittschutzfaser đŸ§€

Ein Dilemma besteht darin, dass das ausgewĂ€hlte Fasermaterial gegen sehr viele Chemikalien nicht oder nur unzureichend bestĂ€ndig sein kann. Das wĂŒrde bedeuten, dass ein chemisch nicht bestĂ€ndiges Fasermaterial keineswegs außen verwendet werden kann. GrundsĂ€tzlich wĂ€re es jedoch ideal, die Schnittschutzschicht an der Außenseite des Handschuhs einzusetzen. Dadurch wĂ€re die Chemikalienschutzschicht des Handschuhs gut vor mechanischer Einwirkung geschĂŒtzt. Glasfasern sind hier das bevorzugte Material, da Glasfasern von vielen verwendeten Chemikalien nicht angegriffen werden. Ziel ist es, die mechanischen Eigenschaften, vor allem die Schnittfestigkeit zu verbessern. Stahlfasern sowie HPPE (ein polymeres Polyethylen) können im direkten Kontakt mit vielen Chemikalien ĂŒberhaupt nicht eingesetzt werden. Stahl wird nĂ€mlich durch die meisten SĂ€uren und Polyethylen durch sehr viele Lösungsmittel angegriffen. Glasfasern hingegen haben Bruchenden und können mit diesen feinen Enden die zwingend flĂŒssigkeitsdichte Chemikalienschutzschicht durchstechen. Hierdurch wird der Chemikalienschutz wĂ€hrend der eventuell erfolgenden Penetration von Chemikalien nicht mehr erreicht. Dieses Dilemma stellt hohe Anforderungen an die Produktentwicklung. Eine wirklich ideale Lösung ist nur schwer zu erreichen.

Chemikalienschutz đŸ§€

Es gibt hier so viele Möglichkeiten wie es Materialien fĂŒr Chemikalienschutzhandschuhe gibt. In der Praxis eingesetzte Materialien umfassen z. B. Nitrilkautschuk, PVC (Vinyl), PU sowie Neoprene (die Klassiker). Hier gilt, dass ein Chemikalienschutzhandschuh nur gegen Gefahren schĂŒtzen kann, gegen die das eingesetzte Material der Anforderung entsprechend auch tatsĂ€chlich ausreichend bestĂ€ndig ist. Die Anforderungen an kombinierte Schnittschutz/Chemikalienschutzhandschuhe gelten natĂŒrlich ebenso ohne Abstriche wie bei den klassischen Chemikalienschutzschutzhandschuhen. Von einem technischen Standpunkt gesehen, wĂ€re es ideal, entsprechend den jeweiligen bereits seit vielen Jahren im Markt befindlichen Chemikalienschutzhandschuhen die entsprechenden Modelle mit kombinierten Schnittschutz zu entwickeln. Ein Hersteller wĂŒrde dies jedoch nur tun, wenn ein Markt vorhanden ist, das heißt ein quantifizierbarer Bedarf in diese Bereich von Arbeitsschutz besteht. Unter UmstĂ€nden kann nĂ€mlich jede GefĂ€hrdung durch Chemikalien und von Mischungen sehr spezifisch sein und sich die Anforderungen an den Chemikalienschutz dadurch stark differenzieren. Weitere Eigenschaften von großer praktischer Bedeutung beinhalten Eigenschaften wie Ölgriff, Fingerfertigkeit (dexterity), Nass- und Trockengriff und ggf. Abriebfestigkeit. Nach Aussagen von Kunden ist bei fast allen im Markt des Arbeitsschutzes befindlichen Handschuhen die Fingerfertigkeit oder „dexterity“ auf Grund des mehrschichtigen Aufbaus sehr eingeschrĂ€nkt. Dadurch sind die meisten Handschuhe im Grunde nur fĂŒr grobe Arbeiten geeignet, nicht jedoch fĂŒr Arbeiten bei denen FingerspitzengefĂŒhl erforderlich ist.

Die Schutzprofis haben kombinierte Chemikalien- und Schnittschutz-Handschuhe getestet đŸ§€

Die Produktinnovationen im Schutzhandschuh-Bereich schreiten immer weiter voran. Die Schutzprofis haben sich die auf dem Markt des Arbeitsschutzes gebrachten Schutzhandschuhe mit einer Kombination aus Chemikalien-und Schnittschutz daher genauer angesehen. Diverse Handschuhe wurden begutachtet und auf Tragekomfort sowie Produkteigenschaften getestet. Die entstandene ProduktĂŒbersicht wird in einem folgenden Beitrag vorgestellt. Festgestellt werden muss ganz klar, dass es noch keine optimale Lösung fĂŒr Arbeitsbereiche gibt, wo eine Kombination aus Chemikalien-und Schnittschutz-Handschuh benötigt wird. Den perfekten Handschuh fĂŒr diese Anwendung gibt es noch nicht, da immer ein Kompromiss, entweder beim Schnittschutz oder beim Chemikalienschutz, eingegangen werden muss. FĂŒr die Hersteller ist auch die Optimierung des Tragekomforts eine weitere Herausforderung. Die Schutzprofis sind davon ĂŒberzeugt, dass sich hier in den nĂ€chsten Jahren noch eine interessante Weiterentwicklung zeigen wird – Kombinierter Chemikalien- und Schnittschutz ist wirksamer Arbeitsschutz. NatĂŒrlich werden die Schutzprofis alles im Blick behalten und immer mal wieder aktuelle Informationen zur VerfĂŒgung stellen.